Bericht Brevet 600km

Dieses Jahr haben sich über 40 Fahrer angemeldet, ich war überrascht. Viele Fahrer von außerhalb Berlins, teilweise bis aus Bayern. Auch viele Fahrer aus dem Hannoveraner Raum, vermutlich aufgrund des Todes von Christian. Einige hat wohl auch das Ziel des Brevets, der Darß gereizt. Es hat mich gefreut, daß die Beteiligung so gut war.
Pünktlich um 7 ging es los. Das Feld verteilte sich schnell auf einzelne Gruppen, die schnellen vorneweg, dann unterschiedliche Gruppen und Einzelfahrer hinterher. Bis Kratzeburg (km 138) war die Strecke vielen bekannt, eine Mischung aus dem 200er des letzten Jahres und dem 300er dieses Jahres. Das Cafe Piccolino verführte viele Fahrer, auch mich, zu einer Pause in der Sonne. Mit dem Wetter hatten wir Glück, den ganzen Tag sonnig, allerdings wehte ein kalter Wind aus Nordwest, der das Vorankommen beschwerlich machte.
Es ging auf zum teil kleinsten Wegen durch den Nationalpark Müritz.
Bis Neukalen bildete sich eine Gruppe aus Phelim, Andreas Dauerdampf , Dietmar, Peter, ? und mir, wir kamen gut voran. Es ging eine Endmoränenlandschaft immer hoch und runter, die Straßen waren zum  Teil huppelig, aber die meisten kennen das. In Malchin bewunderten wir beide Stadttore und gerieten in ein Kinder-Straßenfest mit grenzdebiler Musik und Clown. Schon bizarr, was man so unterwegs erlebt. Die Zeit für ein Foto mit dem Clown war drin.
Je näher wir dem Darß kamen, desto voller waren die Straßen, gegen 20 Uhr waren wir in Prerow und haben erstmal schön Fisch gegessen. Danach ging es weiter, die Straßen waren schön leer, die Rentner waren alle im Bett oder vor dem Fernseher. Die Gruppe zerfiel, da die Tempovorstellungen differierten. Dietmar und Andreas wollten irgendwo am Strand schlafen, ich wollte lieber schnell ins Hinterland, um der Feuchtigkeit der Ostsee auszuweichen und so weit fahren, wie es geht. Hinter Riebnitz-Damgarten ging es wieder auf kleine huppelige Straßen, die für mich, dank 28er Reifen und 5,5 Bar Reifendruck, gar nicht so schlimm waren. Phelim und ich waren inzwischen alleine, wir gabelten Manuel auf, der sich langelegt hatte. Phelim verschwand in einer Bushaltestelle, und Manuel und ich fuhren weiter nach Teterow (km 380). An der Tanke erhielten wir eine Belehrung, das man Kaffee komplett zu sagen habe, wenn man Kaffee mit Milch und Zucker haben will, Danke dafür!
Es wurde empfindlich kalt, ca 5 °C, und wir logierten in einem 24h-Hotel ohne Übernachtung, ohne Frühstück, aber warm war es. Bezahlt hatten wir bereits vorab mit unseren Steuergeldern.
Um 5 Uhr war es hell, und wir fuhren durch den Morgennebel weiter. Die Sonne kam heraus und wärmte uns von hinten (sehr angenehm!). Wir trafen Werner, einen Randonneurs-Haudegen aus Peter Wylachs Zeiten, den Manuel überredet hatte, mitzufahren. Er hatte Defekt, und seine Pumpe streikte. Mit Manuels Pumpe und meinen Keksen ging es bald weiter.
Langsam bekam ich Hunger, ich hatte zwar noch Stullen, aber irgendwie wurde ich etwas müde. Auch ein Nickerchen auf einer sonnendurchfluteten Bank kurz vor Malchow half nicht viel. In Malchow dann die Rettung: ein freundlicher Bäcker, wo man richtiges Frühstück bekam-.super!
Mit neuer Kraft (und Rückenwind!) ging es weiter nach Röbel (km 462) Von Röbel bis Flecken Zechlin ist schön zu fahren, die 30km von dort bis Neuruppin (km 526) sind jedoch eine Strafe: es geht relativ gerade und  monoton immer hoch und runter, dazu viel Verkehr. Endlich Neuruppin, hier traf ich Gerald aus Eutin, und wir bretterten mit 30km/h los durch Linum Richtung Berlin. Leider war dort recht viel Verkehr, da Stau auf der Autobahn war und über Linum die Umleitung geht. Ein paar Kopfsteinpflasterabschnitte noch, und gegen 16 Uhr waren wir zurück im Amstelhouse. Die Schleswig-Holsteiner um Gerald wollten los, ich verabschiedete sie noch, dann eine Mütze voll Schlaf und zurück ins Amstelhouse, auf die letzten warten, es kamen noch einige Fahrer rein. Die letzen wurden noch bis auf die Knochen naß, da es gewaltiger Regenschauer über Berlin hinwegzog.
Die Reaktionen auf das Brevet waren gespalten: von der schönste 600er, den ich je gefahren bin (Danke!) bis schöne Gegend, aber viel zu viele Pflasterstraßen . Alle waren allerdings von mir vorab gewarnt worden, womit sie zu rechnen hatten.
Klar sind die Straßenverhältnisse für manche aus Westdeutschland etwas ungewohnt. Allerdings sind Berge auch für Leute aus der norddeutschen Tiefebene ungewohnt, manche fahre aber extra deswegen in die Berge. Hier sind schlechte Straßenverhältnisse manchmal der Preis für ruhige Straßen, und den zahle ich gerne. Außerdem gibt s dort mehr zu sehen als entlang der Bundesstraßen.
Für die LEL Fahrer war es eine gute Vorbereitung, da gerade in Schottland die Straßen auch huppelig und voller Schlaglöcher sind. In England sind gerade die kleinen Country Lanes auch nicht in einem viel besseren Zustand. Also seid mir dankbar:-) Wir sehen uns in London!
Ralf