Bericht 400er Brevet von Tobias.
Nach ca. 60km fing es an zu troepfeln. Das wurde mehr und mehr. Wir
fuhren in einer groesseren Gruppe bis wir mit der Faehre ueber die Elbe
mussten. Das Feld wurde kleiner bis auf 5 Fahrer. Dann wurden wir noch
unterwegs an einer Tankstelle zum selbstgebackenen Kuchen eingeladen,
von einem Randonneur aus der Gegend, der leider nicht mitfahren konnte.
(War das jetzt unerlaubte Hilfe von aussen?) Zu viert ging es weiter
auf der Reise. Andreas, Jens und Joerg. Sie hatten noch nicht
Erfahrungen auf Strecken ueber 300km gesammelt. Die Gruppe hamonierte
prima, jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, dass wir vorankamen. Wir
machten Pausen, wenn es von Nöten war und wir nahmen raus, wenn einer
den Anschluss aus diversen Gruenden verloren hatte. Man muß sagen,
durch diese Teamleistung ist der Regen kaum aufgefallen. Aber man
merkte daß die voranschreitenden KM ihrer Koerner kosteten. Ich selber
habe nur eine Windjacke, die innerhalb kuerzester Zeit durchnässt war.
Andreas erging es kaum anders. Gegenseitig haben wir uns geholfen, die
Handschuhe anzuziehen. Wie kleine Kinder. Andreas wollte so 130km vor
dem Ziel nicht mehr. "Das ziehen wir jetzt gemeinsam durch" Durch eine
riesen Kraftleistung von Ihm meisterte er in meinen Augen die Prüfung.
(Die Brevetkarte war so durchnaesst, daß er an der Kontrolle bei Km 330
gar nicht mehr stempelte) Beim durchbrechen der 300km-Marke meinte
Joerg:"Soviel bin ich no nie gefahren." "Und, merkst du einen
Unterschied?" "Nein!" Kurz vor der Kontrolle in Neuruppin habe ich mir
noch einen Schleicher eingefangen. Vorsorglich habe ich an der Tanke
den Schlauch getauscht. Das Aufpumpen waermte doch ein bischen. Die
Bockwurst war in kürzester Zeit verschlungen und weiter ging es.
Komplett durch Berlin fahren war dann am Ende der Prüfung doch etwas
zaeh, ein gewaltiger Unterschied zu Osterdorf. Um 22:30 Uhr haben wir
das Amstel House erreicht. Wahrlich, das war eine Prüfung. Der kalte
Regen kostete viele Körner. Nur relativ flach fahren ist auch
anstrengend. Das sollte es aber nicht gewesen sein. Jens und Joerg
hatten dieselbe Regenjacke, Jens zeigte sein Trikot es war total
trocken. Darauf war ich neidisch. Nicht das ich es ihm nicht goennte,
eine so tolle Jacke zu haben. Ich wäre auch lieber trocken geblieben.
Nachdem ich geduscht und wieder warm war, ging meine Reise um halb 1
weiter.Zum Mittagessen wollte ich in Chemnitz sein. 240km hieß das
Vorhaben. In Berlin hat das ganze soweit noch Spass gemacht, aber auf
dem Land mit Gegenwind, 6 Grad und Dauerregen ging auch die letzte
Motivation in die falsche Richtung, Ich nehme an der Wind hat sie
Fortgetragen. In Trebbin reifte der Beschluss, der deutschen Bahn ein
Teil meines Geldes zur Befoerderung meines Kadavers und meines Rades zu
geben. In Luckenwalde machte ich einen EC-Karten Hotel ausfindig und
nach austauschen der Klamotten gegen trockene, habe ich noch ne Runde
geschlafen. An dieser Stelle ein Dankeschoen an die Bank fuer die
Gastfreundschaft. Was haben wir gelernt. Es heisst immer: "es gibt kein
schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung" Eine gute Regenjacke ist ihr
Geld wert, sie steht auf der Anschaffungsliste ganz oben. So wie sich
die Knie und die Archillessehnen gestern anfuehlten, war es eine gute
Entscheidung in den Zug zu steigen. Eine Anmerkung noch am Rande:
Obwohl wir als schnellste Truppe wieder zurueck in Berlin waren, waren
wir einstimmig der Meinung, dass wir riesen Respekt vor denen haben,
die noch weitere Stunden im Regen verbringen muessen. Es gibt ja das
Lied, in dem es heist: We are the Champions, no time for losers. Ich
behaupte mal fuer unsere Gruppe, das wir an diesen einen Samstag in
Berlin nicht so dachten.